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Kolpingsfamilie Eislingen

Mit Grenzen leben - Leben bewahren
Referentin Maria Wiedebach

Maria Wiedebach

(gf) Grenzen haben zwei Bedeutungen. Sie zeigen mir auf, wo meine Freiheit beschnitten wird. Auf der anderen Seite sch├╝tzen sie mich. Von Viktor Emil Frankl, dem Begr├╝nder der Logotherapie und Existenzanalyse stammt der Satz:
ÔÇ×Das Schicksal ist der Boden auf dem wir stehen, und unsere Freiheit ist es, wie wir uns darauf bewegen“.

Um diese Kerns├Ątze war der Vortrag von Frau Maria Wiedebach aufgebaut, den sie im Kolpingheim Eislingen hielt. Maria Wiedebach ist logotherapeutische Beraterin in G├Âppingen.

Es gibt Grenzen in der Landschaft. Grenzen gibt es auch in den Regeln des Zusammenlebens, die den Menschen Sicherheit geben. Wenn Freiheit und Selbstverwirklichung grenzenlos werden, verliert der Mensch die Orientierung. Kinder brauchen Grenzen, die Privatsph├Ąre des Anderen muss respektiert werden, die eheliche Treue ist ein Versprechen das eingehalten werden muss.
K├Ârperliche Begrenzungen durch Behinderungen oder zeitliche Begrenzungen sind bekannt.
Es kommt eine Zeit wo es zu sp├Ąt ist bestimmte Dinge zu tun, das Alter, bis hin zum Tod. Unser ganzes Leben ist begrenzt.
Wenn ein Mensch ├╝berlastet ist, kommt er irgendwann an seine psychische Grenze.

Und schlie├člich ethische Grenzen, oder f├╝r gl├Ąubige Menschen die Gebote Gottes.
Diese Gebote wollen uns nicht in unserer Freiheit einengen, sondern sie wollen uns sch├╝tzen. Ist der Mensch, der diese Grenzen ├╝berschreitet wirklich gl├╝cklich und frei? In unserer Gesellschaft sehen wir Sexuals├╝chte und Kindesmissbrauch, Jugendliche die schon alles ausprobiert  haben und ausgebrannt, verbraucht und leer sind. Wir m├╝ssen lernen, Grenzen als etwas anzunehmen, was zu unserem Leben dazugeh├Ârt.

Warum f├Ąllt es dem heutigen Menschen so schwer mit Grenzen zu leben?

Maria Wiedebach nennt sie G├Âtzen unserer Zeit. Jugend und Schlankheitswahn, Selbstverwirklichung und grenzenlose Freiheit, Sexualit├Ąt, Gesundheit, Wissenschafts- und Forschungsgl├Ąubigkeit, Reichtum, Toleranz.
Am Beispiel Gesundheit machte sie deutlich was sie damit meint. Nat├╝rlich ist die Gesundheit ein hohes Gut, aber ist sie wirklich das h├Âchste Gut? Darf ich f├╝r die Gesundheit meine Seele verkaufen. Sie zitierte Dr. med. Dipl. theol. Manfred L├╝tz der schrieb: Eine neue Religion hat Deutschland erobert: die Gesundheitsreligion. Raucher, Nicht-Jogger und ├ťbergewichtige werden an den Pranger gestellt. Den Begriff ÔÇ×S├╝nde“ gibt es nur noch im Zusammenhang mit Essen, und zu manchen Kliniken gibt es geradezu Wallfahrten. Der Autor ist ├╝berzeugt, wenn heute ein Wissenschaftler mit embryonalen Stammzellen Parkinson oder Diabetes heilen k├Ânnte, w├Ąre die Diskussion ├╝ber Embryonenschutz vorbei. Dann w├╝rden die Embryonen ganz schnell dem Gott ÔÇ×Gesundheit“ geopfert.
Maria Wiedebach sagte: Wir d├╝rfen der Gesundheit nicht ungeborene Kinder opfern. Gott hat uns genug M├Âglichkeiten gegeben zu forschen. Es gibt riesige Erfolge mit adulten Stammzellen. Diese Grenze m├╝ssten wir nicht ├╝berschreiten um Krankheiten zu bek├Ąmpfen.

Alle die oben aufgez├Ąhlten G├Âtzen sind f├╝r sich betrachtet wertvolle G├╝ter. Erst wenn wir sie grenzenlos zum h├Âchsten Gut machen, dann werden sie f├╝r die Menschen und die Gesellschaft negativ und sch├Ądlich. Das trifft auch f├╝r die Selbstverwirklichung und die Freiheit zu.
Grenzen und Schwierigkeiten geh├Âren zu jedem Leben, entscheidend ist, wie ich mich darauf einstelle. Gott gibt mir Lasten auf, aber er gibt mir auch die Kraft sie zu tragen und daran zu reifen. Weil unsere Gesellschaft das anscheinend nicht mehr akzeptieren und die Grenzen nicht mehr sehen will, wird kurzerhand das Lebensrecht bestimmter Menschen in Frage gestellt. Es ist h├Âchste Zeit sich f├╝r Menschen einzusetzen, deren Lebensrecht zur Diskussion steht.
Als Beispiele f├╝r Grenzverletzungen nannte Maria Wiedebach Abtreibung, Sp├Ątabtreibung, Forschung an embryonalen Stammzellen, PID und Euthanasie.
In diesem Zusammenhang stellte sie auch drei Lebensschutzgruppen aus unserem Kreis vor.
CDL, KAL und Helferkreis.
Ab wann und wie lange einem Menschen Menschenw├╝rde und Schutz zukommt wird nicht mehr einheitlich beantwortet, zum Beispiel in der Bio-und Gentechnik, der Forschung an embryonalen Stammzellen, Therapeutisches Klonen, und der Pr├Ąimplantationsdiagnostik.

Grenzverletzung Abtreibung
Wo man t├Âtet, um einem Menschen und seinen Angeh├Ârigen die Last seiner Existenz zu ersparen, gibt es bald ├Ąhnliche begr├╝ndbare F├Ąlle, in denen man meint, aus Mitleid t├Âten zu d├╝rfen oder zu m├╝ssen. Obwohl Abtreibung nach dem Gesetz Unrecht ist, verpflichtet sich der Staat die Durchf├╝hrung der Abtreibung durch gen├╝gend Beratungsstellen fl├Ąchendeckend zu erm├Âglichen.
Ein Recht auf Abtreibung wird gleichgesetzt mit Selbstbestimmung und Freiheit der Frau. Man glaubt man k├Ânne das Kind durch die Abtreibung sozusagen r├╝ckg├Ąngig machen. Aber das kann man niemals. Die Frau muss mit dem Kind leben, dem lebenden Kind oder mit dem toten Kind. Viele Frauen werden dadurch seelisch und psychisch schwer verletzt.

Grenzverletzung PID (Pr├Ąimplantationsdiagnostik)
Durch PID werden die Embryonen zum Produkt, zur Sache. Die Ware wird auf M├Ąngel kontrolliert, fehlerhafte Ware wird aussortiert, die Annahme verweigert. Bei allem Mitgef├╝hl mit betroffenen Paaren d├╝rfen wir das menschliche Leben nicht zur Handelsware machen. Ein Kind ist ein Geschenk. Es gibt kein Recht auf ein gesundes Kind. Es gibt kein Leben in dem sich Leid verhindern l├Ąsst. Mit welchen Eigenschaften wird man gl├╝cklich, und wer von uns w├╝rde den Gencheck ├╝berstehen?

Grenzverletzung Euthanasie
Die Angst vor der Apparatemedizin hat die Diskussion um die aktive Sterbehilfe stark angeregt. Mancher w├╝nscht sich, dass sein Leben in einem aussichtslosen Falle beendet wird. Aber d├╝rfen wir das? Ist es wirklich grausam wenn wir als Christen darauf beharren, Gott allein bestimmt Anfang und Ende des Lebens?

Wir wissen auch, dass Schmerzlinderung und Sterbebegleitung den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe schnell beseitigen k├Ânnen. Deshalb ist es wichtig, die Hospizbewegung und die Ausweitung der Palliativmedizin zu unterst├╝tzen.